Junge Frau nach plastisch- ästhetischer Operation

Was die Leute sagen, wenn sie hören, dass ich plastische Chirurgin werden will

Tag der plastischen Chirurgie

Heute ist nicht irgendein weiterer bundesweiter Tag der plastischen Chirurgie, sondern der, an dem die Deutsche Gesellschaft für plastische, rekonstruktive und ästhetische Chirurgie ihr 50.-jähriges Jubiläum feiert. Daher wird es meiner Meinung nach Zeit für einen kleinen, etwas persönlicheren Artikel.

Was sie sagten, als sie hörten, dass ich in die plastische Chirurgie gehen will

Meine Familie und Freunde fragten mich, was ich denn später gerne machen will bzw. wohin ich mich spezialisieren möchte. Als ich antwortete, dass ich plastische Chirurgin werden will, wurde es zwar positiv aufgefasst, dennoch konnten sich einige ein paar Kommentare dann doch nicht verkneifen.

,,Ja, die Gesellschaft wird einfach immer eitler und oberflächlicher, deshalb hat das wahrscheinlich viel Zukunft‘‘

,,Dann machst du also Brüste und Fettabsaugungen, oder?!‘‘

,,Die machen ja das meiste Geld‘‘

Als ich die Kommentare hörte, war ich überrascht, wie präzise und detailliert sie den Beruf eines plastischen Chirurgen umschreiben konnten.
Nein, Spaß beiseite. In der plastischen Chirurgie geht es um so viel mehr als nur das.
Die Fragen und Aussagen waren in dem Sinne begründet, denn wenn man das Wort ,,plastische Chirurgie‘‘ hört, wird es sofort mit dem Begriff „Schönheitschirurgie“ gleichgesetzt und dann wird primär an Brustvergrößerung, Botox und Fettabsaugungen gedacht.

Die Medien sind keine große Hilfe!

In den Medien werden vor allem die Fälle breitgetreten, in denen eine Frau doch nicht mit ihrem Endergebnis zufrieden ist und klagt. Die andere wird als unnatürlich und katzenhaft abgestempelt oder der andere als hätte man ihm spontan mit dem Bügeleisen das Gesicht behandelt.
Deshalb konnte ich es ihnen dann auch nicht übel nehmen, wie konnten sie es auch besser wissen.

Aber anlässlich des Tages der plastischen Chirurgie ist es, meiner Meinung nach, eine gute Gelegenheit mit einigen Klischees und Missverständnissen aufzuräumen bzw. diese zumindest mal anzusprechen.
Die ersten plastischen, chirurgischen Eingriffe gehen bis 1200 v. Chr. zurück. Dabei wurden in Indien die ersten Nasenoperationen durchgeführt. Im Laufe der Jahre haben sich zum Glück nicht nur die Möglichkeiten, sondern auch die Methoden verändert und verbessert.

Aber woher kommt es, dass man die plastische Chirurgie mit der ,,Schönheitschirurgie‘‘ – abgesehen davon, dass das ein ungeschützter Begriff ist- gleichsetzt? Woher stammen überhaupt all diese Klischees und Vorurteile?

Zuerst einmal ist es wichtig zu wissen, welche Gebiete zu der plastischen Chirurgie gehören.

Die vier Säulen der plastischen Chirurgie stellen dar:

Man sieht die Vorderseite eines Tempels mit 4 Säulen , in denen jeweils ein Wort steht

Folglich ist die plastisch- ästhetische Chirurgie nur ein Teil der ,,Plastischen‘‘.

,,Pfuschereien und mangelhafte Qualität‘‘

Doch woher stammen die Vorurteile bzw. Aussagen über misslungene Eingriffe, minderwertige Qualifikationen und mangelhafte Qualität.

Mögliche Hauptverursacher sind unseriöse Wanderärzte, die z.B mit schnellen, preiswerten Botox-Injektionen werben. Aber neben den fachlich anerkannten plastischen und ästhetischen Chirurgen, soll es auch Ärzte und ,,Nicht-Ärzte‘‘, wie z.B. Heilpraktiker, geben, die auch vereinzelt kleinere Eingriffe vornehmen, obwohl diese nicht in ihrem Fachbereich liegen.

Wenig hilfreich ist wohl auch, dass sich rund um Schönheitsoperationen ein komplett neuer Tourismus Zweig gebildet hat, der mit billigen Eingriffen im Ausland wirbt. Dort werden häufig nicht einmal grundlegende Hygienevorschriften eingehalten.

Das sind wahrscheinlich nur einige wenige Gründe, weshalb die plastische Chirurgie teilweise einen umstrittenen Ruf hat.

,,Brüste machen und Fett absaugen‘‘

Brustvergrößerung und Fettabsaugung sind die beliebtesten Operationen in der ästhetisch-plastischen Chirurgie bei den Frauen – bei den Männern sind es die Augenlidkorrektur und die Gynäkomastie-Behandlung. Aber wie vorhin schon erwähnt deckt die Ästhetik nur einen Teil der plastischen Chirurgie ab, weshalb man stets das Große Ganze im Blick behalten sollte.
Wahrscheinlich entsteht auch durch Hollywood Stars, die die plastische Chirurgie überwiegend im ästhetischen Bereich nutzen, der Eindruck, dass es nicht viele andere Arten von Eingriffen gibt.

Frau in weißer Unterwäsche

Immernoch ein Tabuthema

In Deutschland sind die plastisch-ästhetische Eingriffe immer noch sehr häufig ein Tabuthema, wohingegen z.B. in den USA sich die plastische Chirurgie einer breiten Akzeptanz erfreut und in der klassischen Medizin etabliert ist.
Laut der neusten Statistik der DGPRÄC (= Deutsche Gesellschaft für plastische, rekonstruktive und ästhetische Chirurgie)¹ erzählen 13% aller Frauen und 24% aller Männern niemandem etwas von ihren Eingriffen. Nur die Hälfte – bei den Frauen 55% und bei den Männern 48% – erzählen ihrer Familie etwas davon.

Aber warum ist dieser Chirurgie Bereich immer noch so ein Tabuthema? Wird es als ein persönliches Scheitern angesehen, wenn man ,,etwas machen lässt‘‘? Ist es die Angst davor, was andere Leute über einen sagen könnten?
Ich glaube so eine komplexe Fragestellung kann man nicht mit einem einfachen Ja oder Nein beantworten.
Jedoch bin ich stark dafür, dass man offener mit diesem Thema umgeht und mehr darüber gesprochen wird, sodass Missverständnisse und Fehlvorstellungen aus dem Weg geräumt werden bzw. erst gar keine neuen entstehen.

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