Bild von Kokoszucker mit angeschnittener Kokosfrucht auf einer Palme

Kokosblütenzucker – Gold oder Gift?!

In der letzten Zeit gewinnen Zuckeralternativen, vor allem Kokosblütenzucker, durch Influencer und Lebensmittelverkäufer immer mehr an Beliebtheit. Deshalb habe ich mich dazu entschieden im Folgenden darüber zu schreiben und herauszufinden, ob der Kokoszucker wirklich so viel besser ist als herkömmlicher raffinierter Zucker oder ob alles nur PR-Masche ist.

Was ist Kokosblütenzucker und wo kommt er her?

Der Palmzucker dient als relativ neue Alternative zum raffinierten Zucker und wird aus dem Saft der Palmblume der Kokospalme gesammelt und danach eingekocht, sodass daraus erst mal eingedickter Sirup hervorgeht. Anschließend wird der Nektar weiter eingedickt und kristallisiert sich nach langer schonender Verarbeitung zu dem braunen Zucker, wie wir ihn kennen. Somit entstehen mit dem erhältlichen Kokosblütenzucker und -sirup zwei verschiedene Produkte ein und demselben Ursprungs.
Über die Hälfte der tropischen Süße wird auf den Philippinen angebaut, aber auch Indonesien und Thailand sind wichtige Anbauländer.

Bauer klettert auf Kokospalme in Tropengebiet

Wird Palmzucker seinem Ruf gerecht?

Es gibt viele Artikel, in denen man liest, dass laut Forschungsresultaten der glykämische Index (GI) gegenüber weißem Haushaltszucker viel niedriger sei, somit weniger Insulin ausgeschüttet und dadurch Heißhungerattacken vermieden werden würden. Darüber hinaus sei die tropische Süße reich an gesunden Vitaminen, Mineralien und Spurenelementen wie Eisen Zink, Kalium und Kupfer.

Doch wie viel ist an den Behauptungen dran?

Schauen wir uns das Ganze mal genauer an.
Zu der ersten Aussage: Während der Blutzuckerspiegel durch raffinierten Zucker einen Wert von ca. 60 annimmt, weist der Kokoszucker mit nur ca. 35 einen wesentlich niedrigeren auf (für Kokosblütensirup mit 39 geringfügig höher). Dementsprechend wäre der GI laut Definition definitiv im Niedrigbereich, da alle Werte unter 55 als niedrig glykämisch gelten. Doch der bislang angegebene Wert führt sich auf eine einzige philippinische Studie zurück. Diese Studie wurde mit nur 10 Probanden durchgeführt und wenn man bedenkt, dass der Anteil an Glucose, Fruktose und Saccharose sich in den beiden Zuckersorten nicht allzu sehr unterscheidet, solltest du die Aussagekraft des angegebenen GI kritisch betrachten.
Darüber hinaus preisen viele Lebensmittelhersteller die Zuckeralternative mit vielen Vitaminen und Spurenelementen an. Doch der deutlich höhere Nährstoffgehalt gegenüber Haushaltszucker ist auch hier bisher nicht genügend nachgewiesen und mehrere Kilos seien notwendig um einen gesundheitlichen Nutzen zu haben. Darüber hinaus ist die Aussage auch nicht ganz nachvollziehbar, da der Kokoszucker, wie auch der raffinierte Zucker, vor allem aus Saccharose, Glucose und Fruktose besteht.

Vorteile

  • karamellähnlicher, fein süßliches Aroma für Einige ein angenehmer Nebeneffekt
  • Süßkraft mit der von weißem Rohrzucker vergleichbar
    → 1:1 mit weißem Zucker austauschbar
  • Recht schonender Verarbeitungsprozess
    → Weitgehender Erhalt der Nährstoffe, die enthalten sind
  • Ökologisch nachhaltig, da die Palmen nicht gefällt, sondern lediglich angeschnitten und ausgepresst werden
  • eine Palme kann über 70 Jahre lang Blütennektar liefern
  • Täglich kann man aus einer Kokospalme bis zu vier Liter Nektar gewinnen
    → das entspricht ca. 1 kg Zucker

Nachteile

  • wegen seiner karamellartigen Note für Viele nur begrenzt in der Küche einsetzbar
  • hat fast genauso viele Kalorien wie weißer Zucker, da auch dieser hauptsächlich aus den gleichen Zuckermolekülen besteht ( Kokoszucker: 384 Kalorien pro 100g, Haushaltszucker: 400 Kalorien pro 100g)
  • Da der Anbau in Übersee stattfindet und sich der Export in westliche Länder seit 2007 vervierfacht hat, belastet das sehr das Klima und hinterlässt einen großen CO2-Fußabdruck
  • Sehr viel teurer als raffinierter Zucker (20-30 Euro pro Kilo – Vergleich Haushaltszucker: 0.60 Euro pro Kilo)
  • GI bislang noch nicht ausreichend wissenschaftlich nachgewiesen
  • Für Diabetiker keine bessere Alternative zu weißem Zucker!

Einsatzmöglichkeiten

Der Palmzucker ist sehr gut zum Süßen verschiedenster Lebensmittel geeignet. Angefangen bei zahlreichen warmen und kalten Speisen, über Desserts bis hin zu Heißgetränken wie Kaffee oder Tee und alkoholischen Drinks wie zum Beispiel Cocktails.
Beim Backen ist die exotische Süße jedoch nur begrenzt einsetzbar, da sich der Zucker nicht so gut im Teig auflöst.

kokoszucker in einer kleinen Schale, nebendran eine aufgeschnittene Kokosfrucht

Fazit

Da sich das Spektrum an Kohlenhydraten des Kokoszuckers gut mit dem des weißen Zuckers vergleichen lässt, ist die exotische Zuckeralternative nicht wirklich gesünder und auch nicht besser als herkömmlicher Zucker. Dies gilt vor allem auch für Diabetiker, die trotz der vielen Versprechen die tropische Süße genauso in Maßen verzehren sollten wie Haushaltszucker. Dabei ist die exotische Süße in kleinen Mengen absolut unbedenklich und kann gerne verwendet werden.
Zwar kann ein Bauer von seiner Kokospalme ein Leben lang zehren, da ihr Nektar sehr ergiebig und nachhaltig ist, der lange Transportweg jedoch ist dagegen wenig ökologisch. Wenn du also etwas auf die Umwelt und deinen ökologischen Fußabdruck achten willst, empfehle ich dir Bio-Honig oder Bio-Zuckerrüben aus der Region zu kaufen, da sie ökologisch gesehen der bessere Zuckerersatz sind.
Folglich stellt der Kokoszucker keine vollwertige Alternative zum weißen Rohrzucker dar und deshalb kann ich dir empfehlen einfach generell nicht so viel Zucker zu essen. Denn auch in deftigen Fertiggerichten, wie z.B. einer Tiefkühlpizza, ist mehr Zucker drin, als du vielleicht gedacht hast.
Die WHO empfiehlt daher, dass fünf bis maximal zehn Prozent deiner täglichen Energiezufuhr aus prozessiertem Zucker besteht. Das wären bei einem Erwachsenen ca. 25-50 Gramm. Letztendlich ist es deine freie Entscheidung, aber ich kann dir nur ans Herz legen – und dein Herz wird sich auch darüber freuen, glaub mir -, dass du dich bewusst und ausgewogen ernährst und wenn du mal Verlangen nach was Süßem hast, vielleicht öfters auch zu der Süße von leckeren Früchten greifst.

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