Honigglas mit Honiglöffel und Blumen verziert

Aufgedeckt – Ist Honig wirklich gesünder als Zucker?

Lesezeit: 10 Minuten

Was ist Honig und wie entsteht er?

Wir alle lieben ihn: den Honig. Nirgendwo anders auf der Welt wird so viel Honig konsumiert wie in Deutschland.
Wer hätte gedacht, dass die vomierte Nahrung von Bienen so gut schmecken kann. Denn Honig ist nichts anderes als von Bienen aufgenommener Blütenektar, den sie in ihrem Honigmagen zwischenlagern bis sie zu ihrem Bienenstock zurückgekehrt sind. Dort angekommen, pumpen sie den gesammelten Nektar aus ihrem Honigmagen und übergeben ihn anderen fleißigen Arbeitsbienen, die ihn wiederum aufnehmen.
Bei dieser ständigen Aufnahme und Abgabe des zukünftigen Wintervorrats der Bienen werden körpereigene Enzyme, bestimmte Eiweiße und andere Stoffe beigemischt, die den Honig wertvoll machen. Um das Wasser aus der unreifen Winternahrung auszudünsten, wird die Nektarmasse erst mal in offene Waben gelegt. Sobald der Honig genug getrocknet ist, werden die Waben durch die Arbeitsbienen mit Wachs verschlossen. Als letztes erntet der Imker den eingedickten Honig. In Deutschland darf er dann nicht weiter behandelt werden, was deutschen Honig zu einem sehr naturbelassenen und qualitativ hochwertigem Produkt macht.

Unterschied zu Bio-Honig

Dabei geht es vor allem um die Arbeitsweise der Imker und wie sie ihre Bienen halten und ernähren.
Hier gibt es sehr strenge Vorschriften z.B. bezüglich der Winter(zu-)fütterung – da man den Bienen weitestgehend den Wintervorrat wegnimmt -, der Behandlung von Bienenkrankheiten und dem Material der Bienenkästen.

Das wichtigste Qualitätskriterium ist jedoch der Wassergehalt. Ist dieser nämlich zu hoch, gärt der Honig. Erlaubt sind deshalb ein Wasseranteil bis zu 20%.

Honiggläser, in denen verschiedene Honigsorten enthalten sind

Ist Honig wirklich die bessere Zuckeralternative?

Honig und Zucker unter der Lupe

Raffinierter Zucker besteht aus Glukose und Fruktose, die jeweils aneinander gebunden zu dem Disaccharid Saccharose werden.
Beim Honig sieht es ähnlich aus, denn er besteht zu 80% auch aus diesen beiden Molekülen und den restlichen 20% aus ca. 17% Wasser und 2-3% Mineralien, Vitaminen, Aminosäuren, Enzyme und sekundären Pflanzenstoffen. Der Unterschied besteht jedoch darin, dass beim Haushaltszucker Glukose und Fruktose zu gleichen Teilen vorhanden sind, währenddessen beim Honig der Fruktose-Anteil höher ist. Dadurch schmeckt der Honig süßer.
Hinsichtlich der Kalorien gibt es keine großen Abweichungen: beim raffinierten Zucker sind es 380 kcal pro 100g und beim Honig ca. 304 kcal pro 100g (kleine Abweichungen je nach Zusammensetzung des Honigs).
Dementsprechend ist der Honig aus ernährungswissenschaftlicher Sicht vorrangig ein aus einfachen Kohlenhydraten bestehender, kalorienreicher Energielieferant.
Folglich kannst du Honig gerne essen, solltest ihn aber sparsam verwenden, da er in größeren Mengen gesundheitsschädlich ist. Wer dennoch nicht auf seine regelmäßige Honigration verzichten will, sollte sich bewusst sein, dass Honig die gleichen Auswirkungen hat, wie sie beim Haushaltszucker bereits bekannt sind. Durch den hohen Zuckeranteil kann sich Karies entwickeln, deine Darmflora wird geschädigt und deine Leber und Bauchspeicheldrüse sind überfordert, wodurch du ein massiv erhöhtes Risiko für Übergewicht und Diabetes hast.

Viele heben dennoch den Honig vom konventionellen Zucker ab aufgrund seiner Vitamine, Mineralien und Aminosäuren. Die enthaltenen Mengen sind jedoch so klein, dass sie keinen maßgeblichen Beitrag zur täglichen Bedarfsdeckung an Vitaminen und Spurenelementen haben.
Honig ersetzt deshalb nicht eine ausgewogene gemüse- und obsthaltige Ernährungsweise.
Ein Pluspunkt des Honigs ist hingegen, dass er sekundäre Pflanzenstoffe, wie Flavonoide und Polyphenole enthält, die antioxidativ wirken. Sie bekämpfen entzündliche Prozesse im Körper und schützen somit unsere Zellen.

Keimhemmende und antibakterielle Wirkung

Zu hoher Haushaltszuckerkonsum ist einer der größten Gründe für eine gestörte Darmflora, da sich durch ihn Darmpilze gut ausbreiten können und das Bakteriengleichgewicht massiv gestört wird.
Mit dieser Thematik haben sich auch ägyptische Forscher beschäftigt, um herauszufinden, ob diese Auswirkungen auch bei Honig greifen.
In ihrer Studie untersuchten sie mit Schimmelpilzen und deren Gifte befallene Mäuse und fanden heraus, dass bei hohen Honigkonzentrationen die Toxine unschädlich gemacht werden konnten. Folglich besitzt der Honig zwar nur einen kleinen Teil dieser Nährstoffe, die aber trotzdem eine gute Nahrungsgrundlage für deine Darmbakterien bietet.

Darüber hinaus ist den Imkern sehr wichtig, dass die hitzeempfindlichen Enzyme im Honig erhalten bleiben, da ihnen eine antibakterielle Wirkung zugeschrieben wird. Wie z.B. der Glukose-Oxidase, die aus den Zuckermolekülen das aggressive Wasserstoffperoxid bilden kann, das Keime und Bakterien angreift und zerstört.

Zusätzlich wird dem Honig nachgesagt, dass er die Bildung von Biofilmen verhindern kann. Biofilme sind wie eine Art Schutzfilm, der es Antibiotika erschwert, die Bakterien anzugreifen. So können konventionelle Antibiotika in Kombination mit Honig die Bakterien besser bekämpfen.

Vorteile

  • Honig wohltuend bei Husten und Halsweh
  • Stimulation der Speichelproduktion und damit einhergehende Beruhigung wunder Rachenschleimhaut
  • Keimhemmende und antibakterielle Eigenschaften zugeschrieben
    → Könnte eine erfolgreiche Möglichkeit bei krankenhausresistenten Keimen sein
    →Mittlerweile in Schulmedizin zur Behandlung von Wunden eingesetzt, nachdem er durch radioaktive Bestrahlung sterilisiert wurde
  • Honig schmeckt süßer als normaler Zucker, dementsprechend braucht man weniger davon

Nachteile

  • Zum Backen nicht geeignet für: knusprige Kekse oder Biskuitteig
  • Die im Honig enthaltenen Mengen an Vitaminen, Mineralien, Proteinen und Aminosäuren nicht zur täglichen Bedarfsdeckung ausreichend
  • Kein Honig für Säuglinge, Kleinkinder und immungeschwächte Personen
  • kaum ein Unterschied beim glykämischen Index: Haushaltszucker 59 und Honig durchschnittlich 58 ( je nach Honigsorte 49 bis 88)

Einsatzmöglichkeiten

Einsatzmöglichkeiten in der Küche

Honig ist unglaublich vielseitig einsetzbar. Egal ob in der kalten oder in der warmen Küche, er findet überall Anwendung.
Honig kann man sehr gut zum Verfeinern und Aromatisieren von Salatsoßen, Suppen, Gemüse, Müsli und als Aufstrich auf dem Brot nehmen.
Darüber hinaus kann man Getränke wie Zitronenlimonade, Tee und Milch damit süßen.
Wenn du gerne mit Honig kochst, empfehle ich dir ihn erst ganz am Ende der Garzeit hinzuzugeben, weil dadurch die hitzeempfindlichen Enzyme und Stoffe so am besten erhalten bleiben. Beim Kochen mit Speisestärke gilt das Gegenteil. Hier sollte der Honig komplett mitgekocht werden, da die enthaltenen Enzyme sonst die Speisestärke zersetzen und das die Speise verflüssigt.
Wenn du mit Honig backst, dann ist es gut auf ein paar Besonderheiten zu achten:

Früstücksschale mit Müsli, Früchten und Honig verziert
  1. Honig hat einen höheren Wassergehalt von ca. 20% als raffinierter Zucker. Kalkulier das in dein Rezept ein.
  2. Der Teig wird nicht so locker wie bei normalem Zucker. Mit etwas mehr Backpulver kannst du das Ganze gut ausgleichen
    (ca. 1 Teelöffel pro kg Mehl)
  3. Honig bräunt stärker und schneller als Haushaltszucker.
    Stell dir eine niedrigere Temperatur ein und backe dafür aber 20-30% Prozent länger
    Hier gilt der Spruch: vergolden statt verkohlen
  4. Abgesehen davon, dass Honig allgemein süßer schmeckt als normaler Zucker, verstärkt die Wärme beim Backen ebenfalls das süße Geschmacksempfinden, weshalb du mit weniger Honig die gleiche Süße erreichst

Zum Geschmack generell ist noch zu sagen, dass helle Honigsorten meist milder und süßer schmecken als dunkle. Die dunkleren Sorten haben eine kräftigere, oft weniger süße Grundnote.

Frau und Mann, die in einem Labor arbeiten

Einsatzmöglichkeiten in der Medizin

Kann Honig Wunden heilen? Forscher von der Universität in Wales haben sich mit dieser Frage ausführlich beschäftigt. Dabei haben sie herausgefunden, dass Honig die verwendeten Bakterien in ihrem Wachstum hemmen bzw. sogar aufhalten konnte. Zum einen erreicht das der Honig durch die enthaltenen Enzyme, die unter anderem Wasserstoffperoxid produzieren, und so die Keime abtötet. Zum anderen entzieht der Zucker im Honig den Bakterien Wasser, sodass diese absterben.
Darüber hinaus scheint Honig auch zur Behandlung kleinerer Wunden an der Haut, wie z.B. bei Schürfwunden, anwendbar zu sein, da es die Heilung durch den luftdichten Verschluss beschleunigt und das Naturprodukt gut verträglich ist.
Ganz besonders ins Auge gestochen ist jedoch der neuseeländische Manuka-Honig. Denn dieser Honig besitzt die antibakteriell wirkenden Stoffe in sehr hohen Mengen, was ihn für die Schulmedizin sehr interessant macht. So hat man ihn zu medizinischem Honig verarbeitet und wendet ihn mit Antibiotika zur Wundheilung an.

Fazit

Auch wenn Honig auf den ersten Blick durch seine antibakterielle und antioxidative Wirkung wie ein perfekter und gesunder Zuckerersatz zu sein scheint, ist er kein Nahrungsmittel, das du ständig und im größeren Maße verzehren solltest.
Im direkten Vergleich schneidet der Honig aufgrund seiner zusätzlichen Inhaltsstoffe mit einem kleinen Vorsprung besser ab als der Haushaltszucker. Darüber hinaus finde ich, kommt es auch ganz auf die Menge und die Qualität des Honigs an. Solange du ihn sparsam verwendest und beim Kauf am besten auf regionale Bio-Produkte achtest, triffst du eine gute Wahl. So hast du eine naturbelassene Zuckeralternative, die nicht industriell stark verarbeitet ist.

Kurz: Solange du eine ausgewogene, gesunde Ernährung hast, kannst du den Honig ab und zu gerne mal verwenden und bewusst genießen.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.