Junger Mann greift sich an die Haare (an Geheimratsecken)

Eigenhaartransplantation – das musst du wissen!

Gründe für frühzeitigen Haarverlust

Mit zunehmendem Alter kann man oft nicht verhindern, dass die Haarpracht abnimmt. Bei Frauen dünnen die Haare vor allem im Bereich des Mittelscheitels aus und bei Männern zeichnen sich früher oder später die Geheimratsecken ab oder es bleibt lediglich ein Kranz am Hinterkopf.
Der häufigste Grund für verfrühten Haarausfall ist ein bestimmtes Hormon: DHT (=Dihydrotestosteron). Denn ein gewisser Bereich der Haarwurzeln reagiert – genetisch bedingt – überempfindlich auf dieses Hormon und stirbt allmählich ab. Dies nennt man in der Fachsprache androgenetische Alopezie (=Haarausfall).
Weil nur ein bestimmter Teil deiner Haarwurzeln davon betroffen ist, kann man problemlos Haare aus der ‚DHT-resistenten‘ Zone entnehmen und verpflanzen. Andere wichtige Hormone, die auch bedacht werden sollten, sind z.B. die Schilddrüsenhormone, die du leicht beim Arzt checken lassen kannst.
Aber auch andere Faktoren wie Vitaminmangel (v.a. die B-Vitamine), innerliche Unruhe, Stress und Leistungsdruck darf man nicht unterschätzen. Vor allem psychisch kann es sehr belastend sein, wenn die Haare sukzessiv immer weniger werden und man sich nicht mehr wohl damit fühlt.
Auf der Suche nach einer Lösung gibt es mittlerweile eine enorme Auswahl an Produkten und Medikamenten, aber wissenschaftlich erforscht und erwiesen sind die wenigsten. Selbst bewährte Medikamente muss man zur erfolgreichen Therapie dauerhaft einnehmen und kann dadurch lediglich nur verhindern, dass das Haar weiter ausfällt.

Was verspricht die Haartransplantation?

Dauerhafte Verpflanzung von Haaren und damit Auffüllung der:

  • Geheimratsecken oder des vorderen Haaransatzes
  • Mittelscheitels und anderen Ausdünnungsstellen der Kopfhaare
  • Barthaare
  • Augenbrauen

Geeignet für Personen mit:

  • Androgenetischem Haarausfall: also im Bereich der Geheimratsecken oder Tonsur
  • Narbigem oder hereditärem Haarausfall

Eher ungeeignet bei: Alopezia areata

  • Hier gibt es nicht so hohe Erfolgschancen. Wenn du trotzdem eine Haartransplantation durchführen lassen möchtest, dann solltest du eine gewisse Vortherapie machen, um deine Erfolgschancen zu optimieren.

Technik

FUE-Methode (= Follicular unit extraction)

Bei der Einzelhaarmethode werden zuerst die Haarwurzeln mit Hilfe von sehr feinen Hohlbohrer bzw. Hohlnadeln gelockert und danach vorsichtig einzelne Haarwurzelgrüppchen entnommen. In einer Haarwurzelgruppe – auch Grafts genannt – befinden sich 1-4 Haare und können genauso in die zu behandelnde Stelle eingepflanzt werden.

Vorteil: keine sichtbaren Narben (die dabei entstehenden Einstichstellen sind so winzig, dass du sie mit dem bloßen Augen nicht siehst.)
Nachteil: längere Entnahmezeit und größerer Aufwand
Geeignet für: Personen mit sehr kurzen Haaren, auch am Hinterkopf

FUT-Methode (=Follicular unit transplantation)

Bei der zweiten Methode wird dir ein kleiner Hautstreifen meistens am Hinterkopf mit einem Skalpell herausgeschnitten. Das mag für den ein oder anderen etwas unheimlich klingen, aber die durchschnittliche Länge beträgt 10-24 cm bei einer maximalen Breite von 1 cm. Die Hautränder werden danach wieder vernäht und es bleibt eine feine Narbe übrig, die man sehr gut mit den Haaren überdecken kann und deshalb nicht sieht.
Anschließend werden die Haarwurzelgruppen mit Hilfe von Mikroskopen einzeln entnommen und für die Verpflanzung aufbereitet. Die gewonnenen Grafts werden dann vorübergehend in eine spezielle Nährlösung gegeben, damit die empfindlichen Haarwurzeln vor dem Austrocknen oder anderweitigen Schäden geschützt sind.

Vorteil: schnellere Entnahmezeit
Nachteil: kleine Narbe am Hinterkopf, die aber durch Haare abgedeckt wird
Geeignet für: Personen mit längeren Haaren, die sich ein Teil ihrer Hinterkopf Haare für die Transplantation nicht rasieren lassen wollen

Ablauf

Vorab ist es natürlich Voraussetzung, dass du genug gesunde Haare hast und der Haarausfall weitestgehend eingestellt ist oder wurde. Deshalb wird ein Mindestalter von 30-35 Jahren empfohlen.
Zuerst plant der Arzt präzise und sorgfältig den Verlauf der Entnahmestelle und der Empfängerzone. Je nach Operationstechnik werden die einzelnen Spenderhaare isoliert, sodass nur noch der Haarschaft und die Haarwurzel übrig bleiben. Die fertigen Transplantate werden dann in die zuvor gelegten feinen Öffnungen gegeben. Dabei achtet der Chirurg darauf, dass die Öffnungen in unregelmäßigen Abständen positioniert werden, um so ein natürliches Ergebnis zu erreichen.
Die Behandlung dauert zwischen 3-6 Stunden bei einer Transplantation von durchschnittlich 1.000-1.500 Grafts und wird ambulant unter örtlicher Betäubung durchgeführt.
Abhängig vom Umfang können mehrere Sitzungen notwendig sein, weil wenn zu viele Haarwurzeln auf einmal verpflanzt werden, besteht ein hohes Risiko, dass diese nicht richtig anwachsen und absterben.

Vor- und Nachsorge

Vorsorge

In einem Beratungsgespräch kannst du dich über die Erfolgsaussichten, Risiken bzw. Komplikationen aufklären lassen. Darüber hinaus prüft der Chirurg, ob du Vorerkrankungen hast bzw. regelmäßig Medikamente einnimmst, weil bestimmte Wirkstoffe vor der OP vorübergehend abgesetzt werden sollten.
Bis zur geplanten OP ist es von Vorteil, wenn du deine Haare lang wachsen lässt und auf Alkohol und Rauchen verzichtest. Am Tag selbst kommst du am besten in lockeren Anziehsachen, die man nicht über den Kopf ziehen muss.

Nachsorge

Zwar kannst du medizinisch gesehen direkt danach wieder deinen Alltagsaufgaben nachgehen und wieder normal arbeiten, dennoch empfehle ich dir einige Erholungstage einzukalkulieren. Denn nach der Transplantation kann es zu leichten Schmerzen, Rötungen und Schwellungen kommen, die nach wenigen Tagen wieder zurückgehen.
Die erste Woche ist Solarium und Sauna tabu. Die ersten 2 Wochen solltest du auch auf starke Sonneneinstrahlung und auf Sport verzichten. Bis du wieder richtig mit Sport anfangen kannst, musst du leider die ersten 1,5 bis 2 Monate abwarten. In der Zeit empfehle ich dir leichten Trainingseinheiten, bei denen du nicht so viel schwitzt. Frühestens nach zwei Wochen können dann auch die Fäden – bei der FUT-Methode – gezogen werden, außer du hast selbstauflösende Fäden. Des Weiteren können sich Verkrustungen bilden, die dann im Laufe der nächsten 14 Tagen mit dem Haare waschen abfallen. Bei der Haarwäsche verwendest du am besten ein sanftes, schonendes Shampoo, z.B. Babyshampoo.

Vorteile

  • Schmerzfreie Behandlung
  • Hält ein Leben lang, da Haarfollikel üblicherweise stabil anwachsen und dauerhaft bleiben
  • Geringe Komplikationsraten
  • Bei androgenetischem Haarausfall mit typischem Muster sehr gute Erfolgsaussichten, und auch generell gute Erfolgschancen

Nachteile

  • Ersten 2 Wochen KEIN Sport (Richtigen Sport erst 1,5 – 2 Monate später)
  • Bei hormonell bedingtem Haarverlust durch spezielle Krankheiten, möglicher Ausfall von eingepflanzten Haaren
  • Nach 5 – 14 Tage wieder gesellschaftsfähig, weil in dieser Zeit Krusten abfallen
  • Nach 4-6 Monate Erfolge sichtbar
Vorderkopf eines Mannes vor und nach Behandlung der Geheimratsecken

Kosten und Erfolgsaussichten

Die Kosten für eine Haartransplantation können abhängig von Umfang und Region sehr variabel sein. Durchschnittlich liegen sie ca. zwischen 2.000 – 8.000 Euro. Bei der Haartransplantation ist es wichtig, dass du dich an einen Facharzt wendest, der sowohl die Qualifizierung, als auch die entsprechende Zusatzausbildung in diesem Gebiet absolviert hat und Haartransplantationen regelmäßig ausführt.
Zwar gibt es keine 100%ige Erfolgsgarantie, aber insgesamt ist es ein Eingriff mit geringer Komplikationsrate und guten Erfolgsaussichten.
Gewisse Risiken einer OP sind theoretisch immer gegeben, wie Infektionen, Entzündungen oder Narbenbildung. Diese werden aber erfolgreich mit Medikamenten vorgebeugt.
Das A und O sind dabei eine gute Vor- und Nachbehandlung, als auch eine präzise Vorbereitung.

Nach der Transplantation können nach 3-4 Wochen die verpflanzten Haare vorerst wieder ausfallen. Deshalb brauchst du dir aber keine Sorgen machen, dass die Behandlung bei dir missglückt ist, denn die Haarfollikel bestehen trotzdem weiter. Aus diesen entwickeln sich dann nach 3-4 Monaten neue Haare, die auch nicht mehr ausfallen sollten. Grund dafür ist, dass die Verpflanzung Stress für die Haarwurzeln bedeutet und sie einem vorübergehendem Nährstoffmangel ausgesetzt sind, von dem sie sich erst mal erholen müssen. Nach 4-6 Monaten sind sie dann wieder so nachgewachsen, sodass die Erfolge sichtbar sind.

Fazit

Die Haartransplantation ist eine gute und bewährte Möglichkeit deinem Haar mehr Fülle zu geben und kahle Stellen oder Geheimratsecken ade zu sagen. Zwar brauchst du etwas Geduld bis man die Resultate auch wirklich sehen kann, aber dafür hält es dann auch i.d.R. ein Leben lang an.

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