Frau mit großem Schweißfleck in der Achsel

Hyperhidrose: Wenn Schwitzen zur Qual wird!

Was ist Hyperhidrose?

Aus dem Griechischen abgeleitet von Hyper = mehr, zu viel und Hidrose = Schweiß, bezeichnet man damit eine übermäßige Schweißbildung.
Gesunde Menschen produzieren täglich 100-200 Milliliter Schweiß (ohne Sport), bei Hyperhidrose Patienten sind es weit über 200 Milliliter.
Schwitzen ist eine natürliche, lebenswichtige Funktion deines Körpers, da es deine Körpertemperatur auf einem konstanten Niveau halten soll. Jedoch kann es auch zu krankhaften Ausmaßen kommen, unter denen die Betroffenen meist stark leiden.

Wo schwitzen Betroffene verstärkt und welche Symptome gibt es?

Hyperhidrose zeichnet sich vor allem in der Hand-, Fuß-, und Achselregion ab.
Allein in Deutschland gibt es über 2 Millionen Menschen, bei denen die Schweißbildung an Dauer und Intensität das normale Maß derart übersteigt, sodass der Schweiß mit gängigen Hilfsmitteln nicht mehr zu kontrollieren ist.
Die Symptome können dabei sehr unterschiedlich sein. Von permanent schweißigen Händen bis hin zu einem schweißgebadeten Gefühl mit auffälligen Flecken auf den Kleidern.
Folglich ist es nicht nur ein unangenehmes Gefühl auf der Haut, sondern die Betroffenen können auch psychisch stark darunter leiden. Viele Betroffene haben zudem Angst vor einem auffälligen Odeur und damit einhergehender Ablehnung, was das tägliche Miteinander bzw. den engeren Kontakt zu anderen Menschen sowohl im Berufsleben als auch im privaten Umfeld stark erschweren kann.
Bei manchen führt es sogar soweit, dass sie sich sozial isolieren oder psychische Störungen wie Depressionen, Ängste oder soziale Phobien entwickeln.
Spätestens dann kann eine Therapie sehr sinnvoll sein, um den Betroffenen wieder mehr Lebensqualität und-freude zu ermöglichen.

Arten von Hyperhidrose

Man kann grundsätzlich zwischen 2 Formen der übermäßigen Schweißproduktion unterscheiden.

Primäre Hyperhidrose

Die primäre Form ist erblich bedingt und tritt dementsprechend schon in der Kindheit oder Jugend auf oder spätestens durch andere Erkrankungen oder Medikamente getriggert und ausgelöst werden.
Hierbei kommt es zu einer Fehlfunktion, sodass deine Schweißdrüsen falsche Informationen von den zuständigen Nerven erhalten und diese so viel mehr Schweiß produzieren, als der Körper für eine hinreichende Temperaturregulation bräuchte.
Meistens haben die Betroffenen vor allem tagsüber akute, anfallartige Schwitzattacken, da die Nerven, die zum vegetativen Nervensystem gehören und vor allem am Tag aktiv sind.
Diese Schweißausbrüche können mehrmals pro Woche bis hin zu mehrmals täglich auftreten und den Alltag massiv erschweren, da Betroffene nie wissen, wann wieder eine solche Situation auftreten wird.

Sekundäre Hyperhidrose

Eine übermäßige Schweißproduktion kann auch erworben sein, sprich durch andere Krankheiten (wie Diabetes, Krebs, Nervenstörungen oder psychiatrische Erkrankungen wie soziale Phobie) oder durch spezielle Medikamente (beispielsweise Kalziumkanalblocker, Metamizol oder Opioide) hervorgerufen werden.
Deshalb ist es hier sehr wichtig erst einmal die Grunderkrankung ausreichend und gut zu therapieren bzw. auf andere Medikamente umzustellen, da sich dadurch meistens schon die Symptome verbessern.
Weitere Ursachen bzw. begünstigende Faktoren sind körperlicher und psychischer Stress, Alkohol, Nikotin, Übergewicht auch Schwangerschaft und die Menopause.

Diagnostik

Um eine Hyperhidrose sicher festzustellen, wird eine umfängliche Anamnese hinsichtlich der Beschwerden, der familiären Vorbelastung, Grunderkrankungen und regelmäßiger Medikamenteneinnahme vorgenommen.
Weiterhin können sowohl Schweißmenge, die z.B. bei einem akuten Schweißausbruch ausgeschieden wird, mit der Gravimetrie gemessen wird, als auch die Bereiche, die besonders stark betroffen sind, mit Hilfe eines Jod-Stärke-Tests lokalisiert werden.

Frau lässt sich Botox mit Spritze in die Achselhöhle injizieren

Therapiemöglichkeiten

Neben konservativen Therapieansätzen wie Salbei-Tees, Entspannungsübungen, Heiß-Kalt-Duschen oder dem Meiden von Alkohol, Nikotin und Kaffee, gibt es ein paar invasive und nichtinvasive Behandlungsmöglichkeiten. Diese sind, abhängig von den persönlichen Vorstellungen und Beschwerden des Patienten individuell abzuwägen.

Injektion mit Botox

Das Botulinumtoxin A ist in der Faltentherapie weit verbreitet und in seiner Wirkweise gut erforscht und kann helfen die Schweißproduktion sichtbar zu verringern.
Nachdem die stark betroffenen Stellen bestimmt wurden, werden diese mit einer Lokalanästhetika-Salbe betäubt, sodass die Behandlung für dich komplett schmerzfrei ist. Botox wird hierbei gleichmäßig in die Hautstellen injiziert und kann an allen Körperregionen sehr komplikationsarm (Hände, Füße, Achselhöhlen) verwendet werden.
So wie Botox in der Faltenbekämpfung verwendet wird, macht man sich den gleichen Mechanismus zu Nutze und legt die Nerven, die die Schweißdrüsen ansteuern, eine Zeit lang lahm.
Diese Wirkung hält dann ca. 4-7 Monate an und muss in der Regel höchstens einmal im Jahr wiederholt werden.
Diese „Auffrischung“ kann dann individuell entschieden werden, da bei einigen die Schweißdrüsen ermüden, was zu einer dauerhaften Reduzierung der Schweißproduktion führen kann.

Thermotherapie mit Ultraschall

Eine andere Behandlungsoption ist die Thermotherapie mit Mikrowellen. Diese Therapieform ist wie die Botox-Behandlung minimal-invasiv und noch recht neu.
Durch die gezielt gesteuerten Mikrowellen wird unter der Haut Wärme erzeugt, die die Scheißdrüsen derart schädigen, dass diese ihre Funktion weitestgehend verlieren. Damit das umliegende Gewebe (vor allem die obere Hautschicht) keinen Schaden davon nimmt, wird zur Sicherheit ein spezielles Kühlsystem eingesetzt. Kurz nach der Behandlung kann es zu leichten Schwellungen, Rötungen und Schmerzen an der behandelten Stelle kommen. Diese Komplikationen sind normal, hier können Schmerzmedikamente und Eispacks Abhilfe schaffen bis sich die Beschwerden wieder legen.
Zwar soll diese Behandlung risikoarm sein und dauerhafte Ergebnisse bringen, jedoch konnten in den bisherigen Studien noch keine eindeutigen, signifikanten Resultate erreicht werden.

Operative Absaugung der Schweißdrüsen

Bei der letzten Möglichkeit werden im Rahmen einer 60-90-minütigen Operation die vorher festgestellten Areale mit einer speziellen Kanüle bearbeitet und dabei die Schweißdrüsen zerstört und abgesaugt.
Dieses Verfahren nennt man in der Fachsprache Kürettage und ist etwas aufwendiger, aber dafür dauerhaft, da sich keine neuen Schweißdrüsen nachbilden können.
Zur Betäubung wird dafür eine anästhetische, sogenannte Tumeszenzlösung in die betroffenen Areale injiziert. Danach werden kleinste Schnitte gesetzt, durch die die Kanülen zu der unteren Hautschicht und dem Subkutan-Fettgewebe gelangen können, um dort die vorhandenen Schweißdrüsen abzutragen und herauszusaugen.
Diese Behandlungsmethode ist mittlerweile sehr gut erprobt und erfreut sich großer Beliebtheit, da sie sicher und komplikationsarm ist. Zwar ist diese Operation wie jede andere mit möglichen Risiken wie Nachblutungen, Hämatomen (=Rötungen) oder Verletzung wichtiger Strukturen verbunden, jedoch sind die Risiken hier sehr überschaubar.
Um Komplikationen zu vermeiden, hast du vorher noch ein ausführliches Gespräch, in dem mögliche Grunderkrankungen und regelmäßige Medikamenteneinnahmen mit deinem Arzt abgeklärt werden.

Vorteile:

  • Patienten berichten oft von mehr Selbstvertrauen und Lebensqualität und weniger sozialen Phobien/Ängsten
  • Botox-Behandlung: keine Ausfallzeit, sehr komplikationsarm und gut verträglich und ohne operativen Eingriff
  • Schweißdrüsenabsaugung: Dauerhafte und effektive Möglichkeit, zudem kaum sichtbare Narben
  • Thermotherapie: keine bis geringe Ausfallzeit, dauerhafte und direkt spürbare Lösung mit Verringerung der Achselbehaarung als positivem Side-Effekt

Nachteile:

  • Botox: nur 4-7 Monate anhaltend
  • Schweißabsaugung: dreiwöchiger Sportverzicht
  • Thermotherapie: für einige Tage danach Verzicht auf Sport oder Saunagang UND widersprüchliche Studienlage hinsichtlich Wirksamkeit

Nachbehandlung

Lediglich bei der Schweißdrüsenabtragung sollte man 2-3 Nachtermine einrichten, in denen nachkontrolliert wird und die Fäden gezogen werden.
In den darauffolgenden drei Wochen sollte man weitestgehend auf Sport verzichten, kann aber leichte Aktivitäten kurz danach schon wieder nachgehen.

Kosten und Behandlungsdauer

Die Preise sind natürlich abhängig von der Ausprägung und von Größe des Areals und müssen individuell abgeklärt werden.
Die Kosten für eine Botox-Behandlung liegen in der Regel zwischen 400-1200 Euro pro Behandlungssitzung, die 1-2 Mal jährlich durchgeführt wird.
Die Schweißdrüsenabsaugung hingegen wird einmalig durchgeführt und je nach Ort und Größe kannst du mit 1.000-2.000 Euro rechnen.
In begründeten Fällen werden die Kosten sogar von der Krankenkasse übernommen. Wende dich also in jedem Fall auch an deinen Versicherer.
Bei der dritten Behandlungsmöglichkeit, der Thermotherapie, sind meistens 2 Sitzungen im Abstand von 3-4 Monaten von jeweils 30-60 Minuten nötig. Die Kosten dafür fangen bei 1.900 Euro an.

Frau streckt freudig Arme in die Luft

Fazit

Zusammenfassend lässt sich feststellen, dass es einige Behandlungsmethoden gibt, die je nach Wunsch und Beschwerden ausgewählt werden können.
Während für die einen keine Operation in Frage kommt und somit die Botox-Behandlung als sichere und komplikationsarme Variante zur Verfügung steht, hast du bei einer Schweißdrüsenabsaugung zwar einen operativen Eingriff, dafür aber die effektivste Lösung mit dauerhaften Resultaten.
Mit der Thermotherapie kam vor einigen Jahren eine neuartige Behandlungsmöglichkeit auf den Markt, die zu einer Reduzierung der Schweißproduktion führen kann, aber bisher leider teilweise noch eine widersprüchliche Studienlage hat.

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